Meine Wochenbettdepression

Janine über ihre Wochenbettdepression nach der Geburt ihres ersten Kindes.

Als Hebamme fällt mir durch meinen Blick von Außen recht schnell auf, wenn Frauen sich in der Schwangerschaft oder nach der Geburt psychisch verändern. Meine Antennen für diese Veränderungen sind deswegen so sensibel, weil ich sie selbst erlebt habe: Vor 11 Jahren habe ich meine Tochter geboren habe. Nach wenigen Wochen im Wochenbett war sie plötzlich da - diese schwere Traurigkeit. Wo war sie nur, diese Glückseligkeit, von der alle anderen Mamis und mein Umfeld sprachen?

Obwohl ich den ganzen Tag weinen wollte, tat ich es meist nur im Verborgenen. Was mit mir los war, begriff ich recht schnell und wollte es dennoch ungern wahrhaben. Schminkte mir das verquollene Gesicht immer wieder weg und tat nach außen hin so, als ob alles ok wäre. Schließlich erwarteten doch alle von mir, dass ich als Hebamme das Mamasein mit Leichtigkeit wuppen würde.

Ich fing also nach 6 Monaten wieder an zu arbeiten, stillte noch und dachte, nebenher genauso viele Frauen wie früher begleiten zu können. Schmerzlich zeigte mir mein Körper eines Tages mit einem heftigen Blackout, dass meine emotionale und körperliche Erschöpfung bis ins Unermessliche gestiegen war: Ich fiel bei einem Hausbesuch einfach um - der Länge nach auf den Fliesenboden.

Was ich zu lange runtergeschluckt hatte, traf mich an diesem Tag mit voller Wucht. Ich wurde wach gerüttelt und suchte umgehend nach einer Therapeutin, weil ich offensichtlich Hilfe brauchte. Es dauerte einige Zeit bis ich einen freien Platz fand und jeder Anruf kostete mich viel Überwindung. Doch was da ans Tageslicht kam, brauchte 2,5 Jahre psychologische Unterstützung. Es war - trotz all der Angst und dem Schmerz - ein großes Geschenk.

hey Mama, hol dir Hilfe, sobald du dich verändert fühlst. Warte nicht zu lang, du bist so wertvoll und deine mentale Verfassung so wichtig! Es ist vollkommen ok, wenn es dir nicht gut geht - doch lass’ dir helfen und öffne dich. Trau dich, über all deine Gefühle und Bedürfnisse zu reden. Es lohnt sich.

Lass uns gemeinsam für dich sorgen.

Janine & Steffi, Hey Wow Mom